Medizinische Hochschule Hannover

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie

und Psychotherapie

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Was ist das Tourette Syndrom?

Das Gilles de la Tourette-Syndrom (Tourette-Syndrom) ist eine neuro-psychiatrische Erkrankung, die durch das gemeinsame Auftreten von motorischen und vokalen Tics gekennzeichnet ist. Das Tourette-Syndrom stellt im Erwachsenenalter die häufigste Tic-Störung dar. Die Diagnose ist wie bei allen Tic-Störungen klinisch zu stellen. Apparative Zusatzuntersuchungen dienen lediglich dem Ausschluss anderer Erkrankungen.  Für die Diagnosestellung werden ein Erkrankungsbeginn im Kindes- oder Jugendalter, eine Dauer von mindestens einem Jahr und Fluktuationen der Tics im Verlauf gefordert. Die Diagnose eines Tourette-Syndroms setzt nicht eine besondere Schwere der Tics (oder das Vorliegen einer Koprolalie) voraus.  Weltweit leiden ca. 0,5-1% der Bevölkerung an einem Tourette-Syndrom. 



 

Komorbiditäten
 

Neuere Untersuchungen haben nachweisen können, dass bei etwa 80-90% aller Patienten mit Tourette-Syndrom Komorbiditäten, d.h. neben den Tics weitere (psychische) Symptome bestehen. Ein Tourette-Syndrom ohne Komorbiditäten besteht nur etwa bei 10-20% der Patienten. 
Im Kindes- und Jugendalter sind die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) (in etwa 50%) und die Zwangsstörung (in etwa 30%) die häufigsten Komorbiditäten. Als weitere psychiatrische Begleitsymptome des Tourette-Syndroms gelten eine Störung des Sozialverhaltens, ein oppositionelles, aufsässiges Verhalten, Lernstörungen, Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen und autoaggressives Verhalten. Es ist gut belegt, dass mit zunehmender Anzahl und Schwere der Komorbiditäten auch die Schwere der Tics steigt. Studien zur Lebensqualität von Kindern mit Tourette-Syndrom haben gezeigt, dass eine ADHS und eine Zwangsstörung meist zu einer weitaus stärkeren Beeinträchtigung führen als die Tics. Daher müssen diese Symptome besonders beachtet und wenn notwendig behandelt werden.
Bei Erwachsenen stellen Zwangssymptome vermutlich die häufigste Komorbidität dar. Häufig besteht allerdings auch eine Depression, gefolgt von Symptomen einer (ins Erwachsenenalter fortbestehenden) ADHS und einer Störung der Impulskontrolle. Schwere autoaggressive Handlungen finden sich im Erwachsenalter nur selten. Neuere Untersuchungen zur Lebensqualität von Erwachsenen mit Tourette-Syndrom haben gezeigt, dass nicht etwa die Tics, sondern depressive Symptome und Zwänge meist die stärkste Beeinträchtigung hervorrufen. Daher selten stets auch an das Vorliegen dieser Symptome gedacht werden.