Medizinische Hochschule Hannover

Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie

und Psychotherapie

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Epidemiologie und Verlauf
 

 

Für das Tourette-Syndrom wird weltweit eine Häufigkeit von etwa 1% vermutet. Motorische und transiente Tics sind deutlich häufiger. So wird angenommen, dass bei etwa 10-15% aller Grundschüler zu irgendeinem Zeitpunkt Tics auftreten. Aus ungeklärter Ursache tritt das Tourette-Syndrom bei Jungen und Männern etwa viermal häufiger auf als bei Mädchen und Frauen.
Tics beginnen im Mittel im Grundschulalter zwischen 6 und 8 Jahren. Treten sie erstmals im Erwachsenenalter auf, ist zunächst an eine symptomatische Ursache zu denken, auch wenn unter Experten Einigkeit darin besteht, dass eine Tic-Störung sehr selten auch erst nach dem 18. Lebensjahr beginnen kann. Ein Zusammenhang zwischen dem Manifestationsalter und der Tic-Schwere besteht nicht. In der Mehrzahl ist der Beginn schleichend. Motorische Tics treten im Mittel zwei bis drei Jahre früher ein als vokale Tics. Die stärkste Ausprägung der Tics besteht im Mittel zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr. Im weiteren Verlauf kommt es bei mehr als 95% der Patienten zu einer spontanen Besserung, so dass der Verlauf einer Tic-Störung – und auch des Tourette-Syndroms - überwiegend gutartig ist. Schwere Verläufe mit extrem starken Tics sind selten. Der Verlauf ist durch spontane Fluktuationen hinsichtlich Art und Schwere der Tics gekennzeichnet. Bei den meisten Betroffenen nehmen Tics bei Anspannung, Stress, Unruhe, Freude und Langeweile zu und flauen bei Ruhe, Entspannung und Konzentration ab. Manchmal lassen sich Tics durch externe Stimuli auslösen. Tics haben keinen Einfluss auf die Lebenserwartung.